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Bio-Gemüseraritäten: Chili & Paprika aus der Steiermark (14)
Was muss Alois Posch als Bio-Gemüsebauer beachten? Wie wird er den Schädlingen Herr? Was tun die Nützlinge für seine Pflanzen? Und warum züchtet er 60 Sorten Paprika? Fragen, die mir der sympathische Landwirt aus Unterpurkla in der Südsteiermark im VIDEO beantwortet.
Jedes Mal, wenn ich einem Bio-Bauern begegne, ihn auf seinem Hof begleite, hinter die Kulissen seiner Arbeit blicken darf, geht mir das Herz auf: Da ist meist eine Begeisterung zu spüren, eine Leidenschaft, die den Schluss zulassen: Was der Mann gern macht, macht er auch gut.
Dieses gewisse „Funkensprühen“, das Herzblut und die Liebe zu seiner Arbeit sind auch bei Alois Posch zu erleben, Bio-Gemüsebauer in der Südsteiermark, direkt neben den Murwaldauen. Von dort kommen die Paprika- und Chiliraritäten, die seit Ende Juli bei Billa und Merkur in den Gemüseregalen - verpackt in umweltfreundlicher Zellulosefolie aus Holz! - zu finden sind. Von süßen, aromatischen frühroten Paprikasorten, dickfleischigen und spitzen bis zu flachrunden, gelbgrünen und leicht scharfen – Alois Posch hat zusammen mit Ja! Natürlich ein buntes Potpourri zusammengestellt, das keine Wünsche offen lässt. Dulce Italiano, Glockenpaprika, Sweet Chocolate oder der feurige Somborckina – die Namen klingen exotisch und machen Appetit auf pikante Paprikavarianten. Alles auf einen Blick findet Ihr HIER! Ebenso zu empfehlen sind übrigens die Paradeiser-Raritäten von Bio-Bauern Erwin Binder im Burgenland. Aber das ist eine andere Geschichte...
Bei den scharfen Chiliraritäten sollte sich jeder langsam vortasten: Ich empfehle für den Chili-Anfänger beispielsweise den Elefant – diese Sorte hat eine rauhe Haut und ist aromatisch mild. Turuncu spiral oder der Leutschacher Schotenpfeffer liegen im Schärfegrad im Mittelfeld. Und Aciburun und Lanterna de foc sind nur mehr für echte Chili-Liebhaber ein Genuss. Das knackige Gemüse – ein bunter Mix an frischen Chili-, Paradeiser- und Paprika-Raritäten im Miniformat, inkl. winziger kugelförmiger Gurken – rundet die Produktpalette Alois Poschs ab.
Ein intensiver Tag, den ich bei strahlendem Hochsommerwetter auf dem Bio-Bauernhof verbringen durfte. Alois Posch nahm sich ausgiebig Zeit, um mir all seine Raritätenschätze zu zeigen – darunter auch dutzende Exemplare aus seiner privaten Sammlung an Gurkenexoten. Die wundersamen Früchte sind allerdings für unsere Geschmacksgewohnheiten nicht geeignet, weil sie zu viele Bitterstoffe beinhalten. In Asien allerdings gelten viele davon als Delikatesse. Bleiben wir bei den mild aromatisch süßen bis scharfen Paprikasorten und bei den feurigen Chilivariationen – Auswahl gibt es ja schließlich mehr als genug!










Habe am Wochenende ein Chilli mit euren Raritäten gekockt und die Schärfte war perfekt! Kann man nur empfehlen. :)
Liebes ja! natürlich Team!
Ich hätte da eine Frage, die ein prof. Chillizüchter vielleicht beantworten kann:
Ich selbst züchte seit ein paar Jahren auf der Fensterbank im Februar beginnend meine eigenen Chillipflanzen, die dann in der warmen Jahreszeit mich und meinen Balkon erfreuen, wo sie in perfekten Farben und Schärfe heranreifen.
Die Samen der jeweils letztjährigen Pflanzen trockne ich üblicherweise nach der Ernte und lasse die dann wieder keimen. Heuer ist folgendes passiert: Wir haben aus je zwei getrockneten, geschlossenen(!) Chillifrüchten die Samen derer neu keimen lassen. 2 verschiedene Chillis, 1 getrockneter gelber Capela und 1 Thaichilli-Art. Die Samen kamen dabei nicht miteinander in Berührung. Trotzdem haben wir nun aus 2 Früchtesamen 4(!) unterscheidliche Chilliformen Capela gelb + rot(!) und unterschiedl. Thaichillis erhalten! WIE FUNKTIONIERT DAS???? Vielen Dank für eure Antwort schon mal im Vorhinein!
Hallos Chillichipsy:
Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann hast du 2 versch. Sorten Chilli auf der Fensterbank stehen gehabt, und deren Samen dann angepflanzt. Da kann es natürlich schon passieren, dass du Besuch von einer Biene oder Hummel hattest, welche dann den Pollen von einer Sorte auf die Narbe der anderen gebracht hat. Du hast also 2 Sorten gekreuzt. Das Ergebnis sind dann verschiedene Phänotypen, also Mischformen von den 2 Sorten.
Du hast dich also züchterisch betätigt, ohne es zu wollen :). Wenn es dir Spass macht, dann kannst du versuchen, eine von den neuen Phänotypen, der dir besonders gefällt, weiterzutüchten um eine neue Sorte zu bekommen. Dazu musst du diesen Samen nehmen, und über Jahre konsequent immer nur jene Phänotypen selektieren, welche deinem Ideal entsprechen. Mit der Zeit erhältst du dann deine eigene, neue Sorten, welche nur du hast!
Natürlich solltest du dann versuchen, eine Fremdbestäubung zu verhindern, d. h. du solltest am besten ein Insektenschutznetz über die Pflanzen spannen, damit keine fremden Pollen auf deine Pflanzen gelangen können! Das gleiche gilt auch, wenn du deine Chillis sortenrein vermehren willst, auch dann musst du eine Fremdbestäubung verhindern, am besten mittels Insektenschutznetz.
Lieber Alois Posch,
vielen Dank für deine rasche Rückmeldung an ChiliChipsey!
Die reinsten Biologen, unsere Bio-Gärtner! ;)
Lieber Alois!
Vielen, vielen Dank für diese schnelle umfangreiche Antwort! Eine Frage zum besseren Verständnis hätte ich jetzt noch: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist es zu dieser Kreuzung beim Heranwachsen der Pflanze im vorangegangenen Jahr gekommen? Bedeutet das dass, die Samen in der Pflanze unterschiedlich (befruchtet) wurden? Wir haben ja heuer wie beschrieben aus einer getrockneten Frucht - mehrere Samen - unterschiedliche Pflanzen erhalten. Was heißt, das diese Kreuzung ja heuer nicht stattfinden konnte, sondern schon früher, oder? Habe ich das richtig verstanden?
Nochmals vielen Dank für Ihre Mühe!
Herzlichst ChiliiChipsy
Hallo ChilliChipsy:
Die Kreuzung ist im vergangenen Jahr passiert. Jeder Samen wird extra befruchtet, und so können verschiedene Genetiken entstehen. Die Aufteilung der Eigenschaften hängt dann davon ab, ob die Eigenschaften dominant, rezessiv vererbt werden. Da gelten dann ganz einfach die Mendelschen Gesetze. Eine reinerbige Sorte ist homozygot, das heisst, sie bringt immer die gleichen Nachkommen. Deine Kreuzung ist gemischterbig, also heterozygot. Die Nachkommen von solchen gemischterbigen Pflazen werden immer Pflanzen hervorbringen, die aus einer Mischgenetik der Eltern bestehen.
Du kannst dir das in etwa so vorstellen: Ein reinrassiger Schäferhund ist homozygot. D. h. wenn du zwei reinrassige Schäferhunde kreuzt, dann wird der Nachkomme ebenfalls genetisch und optisch ein Schäferhund sein. Wenn du einen reinrassigen Schäferhund mit einem reinrassigen Labrador kreuzt, dann werden die Nachkommen unterschiedlich aussehen, je nach Dominanzverhältnisse der Vererbung. Es kann sein, dass es Nachkommen gibt, die optisch wie reine Schäferhunde aussehen. Trotzdem sind sie nicht reinerbig! Das merkst du spätestens, wenn du diese Mischlinge mit einem reinrassigen Schäfer kreuzt, dann werden wahrscheinlich plötzlich Labradoreigenschaften unter den Nachkommen auftreten, und das obwohl der Elternmischling optisch wie ein reiner Schäferhund aussieht. Man spricht in der Genetik dann von einem Phänotyp. D. h. ein Phänotyp, der aussieht wie ein Schäferhund muß noch kein Genotyp von einem Schäferhund sein. Nur wenn auch der Genotyp stimmt, kann man von einer Rasse oder einer Sorte sprechen.
Du kannst aus deiner Kreuzung aber auch eine neue Sorte züchten. Dazu musst du sie reinerbig bringen. Das kann dir durch konsequente Selbstbestäubung gelingen, aber auch durch Rückkreuzungen mit den Eltern. Das klingt jetzt vielleicht sehr kompliziert, ist es in Wirklichkeit aber gar nicht.
Du darfst eines nicht vergessen: Alle diese alten Sorten sind nicht von proffessionellen Züchtern gemacht worden, sondern von ehrgeizigen Bauern und Bäurinnen, oder Hobbygärtnern! Heute liegt die Pflanzenzüchtung in den Händen von weltweit agierenden grossen Konzernen. Diese Kompetenz ist uns verloren gegangen! Diese grossen Konzerne wollen natürlich jedes Jahr neues Saatgut verkaufen, deshalb verkaufen sie Hybridsaatgut. Dieses ist aber nicht reinerbig, also keine echte Sorte! Die genetische Vielfalt wird immer geringer. Deshalb wäre es ja so wichtig, dass diese alten Sorten wieder den Einzug in die Hausgärten finden, wo sie dann auch züchterisch bearbeitet werden. Nur so kann eine Sorte langfristig am Leben erhalten werden, bzw können neue Sorten entstehen, die vielleicht besser an die momentanen Umweltbedingungen angepasst sind. Das kann ein sehr ausfüllendes und interessantes Hobby sein.
Das phantastische an diesen autochtonen Sorten ist, dass die Genetik uns allen gehört! Jeder der will, kann sich einbringen, man kann in Wirklichkeit nichts falsch machen. Das ist so ähnlich, wie ein Open-Source-Projekt. Eine Software, an der jeder mitschreiben kann, der will. Man benötigt nicht einmal Softwarekenntnisse! Ein bisschen Mendelsche Vererbungslehre reicht.
Das klingt wirklich spannend und ich kann mir vorstellen, dass einen diese Materie wirklich packen kann!
Toll, dass wir hier von Alois Posch Informationen aus professioneller Hand bekommen!
Vielen Dank nochmal, lieber Alois.
Hallo Alois,
na da sag ich nocheinmal vielen Dank für diese "Kurznachilfe nach Mendel" - und diese spannende Lektion! Wir stehen quasi am Anfang eines spannenden Chilli-Open-Source-Projektes! :)
Vielen Dank für diese umfangreiche und detaillreiche Information!
Herzlichst ChilliChipsy
Hallo,
dass das in dem Video wirklich eine Biene war, wage ich zu bezweifeln.
lg
Hallo!
Ich habe die Chili-Raritäten (Billa) gekauft. Leider ist das beigelegte Sortenblatt nicht vollständig. Mich würde interessieren um welche Sorten von Chilis es sich genau handelt. Danke
MfG
Gustl
Lieber Dr. Gustl,
hier in unserer Chili-Paprika-Raritäten-Broschüre findest du die Sorten:
files.janatuerlich.at/JA_downloads/folder/2012/JaNat_Folder_Paprika_Chiliraritaeten_2012.pdf
Liebe Grüße
Ulli
Hallo Ulli,
nein; eben leider nicht! Gut ein Drittel der in der Tasse befindlichen Sorten werden nicht aufgeführt (kann gerne Fotos senden).
lG
Gustl
Lieber Gustl,
du hast Recht - die kleinen Info-Folder, die den Packungen beigelegt sind, als auch unsere Paprika-Chili-Broschüre führt nicht das gesamte Sortiment an.
Die Begründung liegt darin, dass sich unser Bio-Gemüsebauer und die Produktmanagerin noch nach Redaktionsschluss für einige Sorten entschieden haben, die besonders gut schmecken. Der Nachteil natürlich: Sie konnten nicht mehr in die Liste mit aufgenommen werden. Das betrifft übrigens auch die Paradeiserraritäten.
Entschuldige bitte dieses kleine Hoppala - aber es war uns wichtig, Euch die feinen anderen Sorten nicht vorzuenthalten! ;) Wir hoffen auf Euer Verständnis!
Lieber Gustl,
du hast Recht - die kleinen Info-Folder, die den Packungen beigelegt sind, als auch unsere Paprika-Chili-Broschüre führt nicht das gesamte Sortiment an.
Die Begründung liegt darin, dass sich unser Bio-Gemüsebauer und die Produktmanagerin noch nach Redaktionsschluss für einige Sorten entschieden haben, die besonders gut schmecken. Der Nachteil natürlich: Sie konnten nicht mehr in die Liste mit aufgenommen werden. Das betrifft übrigens auch die Paradeiserraritäten.
Entschuldige bitte dieses kleine Hoppala - aber es war uns wichtig, Euch die feinen anderen Sorten nicht vorzuenthalten! ;) Wir hoffen auf Euer Verständnis!